Tischmanieren…


Ich habe schon oft gehört, dass Tischmanieren etepetete, oder überholt sind.

In meinem letzten Beitrag „Kochen, für stabile Familienverhältnisse“, ging es darum, wie wichtig es ist, dass man zusammen isst, da gemeinsame Essen, die ideale Gelegenheit schaffen, um sich in Ruhe zu unterhalten und herauszufinden, wie es dem anderen geht. Damit das auch gut funktioniert, sollte man sich an manche Tischmanieren halten.

Wie Du vielleicht schon an meiner Leidenschaft für Rezepte gemerkt hast, ist Essen im Allgemeinen für mich ein heiliges Ritual. Ich finde es superwichtig, dass die Familie mindestens einmal am Tag miteinander am Tisch sitzt. Falls das aus beruflichen Gründen nicht möglich ist, solltest Du unbedingt zumindest einmal die Woche ein besonderes Essen für die ganze Familie zubereiten!

Am Tisch kann es manchmal drunter und drüber gehen und das ist auch gut so, solange man sich an gewisse Regeln hält. Tischmanieren sind nicht dazu da, um sich wichtig zu machen, sondern um für ein entspanntes Essen für alle Beteiligten zu sorgen. Ich glaube, keiner mag es neben einem schmatzenden, kleckernden viel zu laut redendem Menschen zu sitzen, oder?

Menschen mit guten Manieren werden manchmal belächelt. Ja, ja wir leben in einer komischen Welt. Allerdings kommen überhebliche Blicke nur von Menschen, die gerne Manieren hätten, aber sie leider nie beigebracht bekommen haben. Ich bin davon überzeugt, dass sich jeder Mensch wohler in seiner Haut fühlen würde, wenn er sich seiner Umgangsformen sicher wäre. Wer sitzt schon gerne in einem Restaurant und weiß nicht wohin mit der Serviette, oder in welches Glas er sich das Wasser einschenken soll … Meistens fangen in genau diesem Moment die Bosheiten an, einfach um seine eigene Unsicherheit zu überspielen.

Also, geht mit gutem Beispiel voran! Haltet Euch auch zu Hause an die goldenen Regeln der Tischmanieren. Nicht nur, dass Du dadurch garantieren kannst, dass Du Dich, wenn es wirklich darauf ankommt, automatisch richtig benimmst, Du schaffst es auch, dass sich Dein Kind immer sicher fühlt. Das ist im Kleinkindalter vielleicht nicht wichtig, aber das erste Date oder das erste Firmenessen kommt noch früh genug! Außerdem wirst Du es lieben, wenn Du mit Deinem Kind essen gehst und es mit tadellosen Tischmanieren beeindruckt!

Ich weiß, wenn man müde von der Arbeit kommt, will man sich einfach nur auf das Sofa schmeißen und ein Toast in sich hineinstopfen. Leider hast Du, wenn Du Kinder hast, ständige Zuschauer. Und nicht nur irgendwelche Zuschauer, sondern kleiner Menschen, für welche Du die Heldin oder der Held schlechthin bist! Alles was Du machst, wird von ihnen als richtig abgespeichert. Ich weiß, anstrengend! Aber keiner hat gesagt, dass es ein Spaziergang ist, aus einem kleinen Baby, einen verantwortlichen Menschen zu machen, den im erwachsenen Alter, jeder gerne um sich haben wird. Falls Du keine Kinder hast… Tja auch für dich gilt … selbst zu Hause gelten die Regeln. Man gewöhnt sich leider viel schneller an schlechte, als an gute Manieren. Du willst ja nicht plötzlich im Restaurant sitzen und halb über dem Tisch hängend Deinen gegenüber erschrecken…

Sauberkeit und Kleidung

Das man sich vor dem Essen die Hände wäscht, sollte allen klar sein. Aber hier gilt auch, Vormachen ist alles. Wenn Du einfach nur gefühlte 100 Mal Händewaschen rufst, wirst Du am Ende nur genervt sein. Wenn Du allerdings vor Deinem Kind die Hände wäschst, ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass es sich auch die Hände wäscht.

Zum Thema Kleidung … keiner erwartet, dass die ganze Familie in Abendgarderobe erscheint, aber, sauber sollte die Kleidung sein und vor allem solltest Du Kleidung anhaben. Unter allen Umständen. Egal wie heiß es ist, ob Du gerade am Strand warst und die Taverne gleich nebenan ist. Es gibt keine Entschuldigung für Menschen, die unbekleidet essen! Ein Strandkleid für Frauen und Mädchen und ein Shirt über der Badehose für Männer und Jungs sind absolut notwendig! . Das gilt auch für zu Hause. Na klar ist es gemütlich den ganzen Tag im Schlafanzug zu verbringen, aber am Tisch sollte man angezogen sein. Das zeigt Respekt vor dem, der das Essen zubereitet hat. Das Auge isst mit, das gilt nicht nur für den Teller, auch für diejenigen die Mitessen. Man sollte ansprechend aussehen, so kommt auch das Gespräch ins Rollen.

Wir fangen erst an zu Essen, wenn alle am Tisch sind.

Es sei denn man ist unter 2 Jahren oder über 80 Jahren und kann nicht mehr warten. Sonst sind meistens alle schon fertig, bevor Mama, Papa oder der Gastgeber die letzte Beilage gebracht hat. Eigentlich sagt man, das Essen beginnt, wenn die Gastgeberin Platz genommen hat, und ist beendet, wenn die Gastgeberin ihre Serviette links neben ihren Teller gelegt hat. Das heißt, natürlich auch, dass man zu Einladungen immer pünktlich erscheinen sollte. Es gibt eigentlich keine Entschuldigung, für das zu spät kommen. Es gibt nur Ausreden. Aber an alle zu spät Kommer da draußen… Ihr seid nicht cool, weil ihr zu spät kommt. Ihr nehmt Euch einfach wichtiger, als die Person, mit der ihr Euch treffen möchtet. Und nein, auch Mamas haben leider keine wirkliche Entschuldigung. Wenn Dein Kind lange braucht, um sich fertigzumachen, fang rechtzeitig an, verabrede Dich nicht zu der Zeit, wo Dein Kind normalerweise Mittagsschlaf hält, oder knapp, nachdem es gegessen hat. Denk immer daran, manche Menschen schaffen es immer, pünktlich zu sein …

Auf dem Tisch haben Handys, Spielzeug, Bücher oder Ähnliches nichts verloren.

Das gemeinsame Essen bereitet Kinder auch auf das spätere Leben vor. Es ist ein gesellschaftliches Miteinander. Wenn Kinder zwischendurch spielen oder sich ein Buch angucken, dann konzentrieren sie sich nicht aufs Essen. Es ist schon anstrengend genug, zu üben richtig mit Messer und Gabel zu essen und sich dabei auch noch zu unterhalten. Das heißt, natürlich auch das Du auch auf gar kein Fall von anderen Dingen wie Handy, Fernseher oder Ähnlichem abgelenkt sein solltest. Genießt das Essen. Unterhaltet Euch. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Menschen beim Essen immer auf das Handy schauen! Man traut sich nicht, sich mit ihnen zu unterhalten, und kommt sich furchtbar unwichtig vor. Möchtest Du, dass sich Dein Kind, Dein Partner oder Deine Freunde so fühlen? Nein?, also! Handy weg!

Gerade sitzen und die Ellenbogen von Tischnehmen ist absolut nicht passé!

Das heißt, natürlich nicht, dass Du stocksteif am Tisch sitzen musst, aber Du solltest gerade sitzen. Ein kleiner Trick ist immer ganz vorne an der Stuhlkante zu sitzen, Man sitzt automatisch gerade! Warum? Weil Du so Deinem gegenüber zeigst, dass Du offen für ein Gespräch bist und Du respektierst, den der gekocht hat. Würdest Du ein Gespräch mit jemandem anfangen, der den Kopf in die Hand gestützt, halb auf dem Tisch liegt? Nein?, ich auch nicht … Der Tisch, das gemeinsame Essen sollte aber zum Gespräch anregen. Beim Essen hast Du die ideale Gelegenheit, mit Deinem Kind oder Partner zu sprechen und zu erfahren, was besonders toll oder besonders unschön an dem Tag war …Genau das gleiche gilt für, wir bleiben am Tisch sitzen.Im Falle von Kindern würde ich allerdings nicht auf die Regel bestehen, wir bleiben so lange sitzen, bis alle fertig sind, sondern, das Kind muss so lange sitzen bleiben, bis es satt ist.

Besteck ist dazu da, um es zu benutzen.

Auch schon die aller kleinsten können und wollen meistens, zumindest einen Löffel benutzen. Der Grund weshalb viele Kleinkinder mit den Händen essen, ist weil wir Erwachsene, ihnen entweder kein Besteck anbieten oder nicht die Geduld haben, ihnen beizubringen richtig mit dem Besteck zu essen. Umso früher Kinder anfangen mit Besteck zu Essen, desto früher lernen sie richtig alleine zu Essen. Was nicht nur absolut praktisch ist, weil Du nicht mehr füttern musst und so entspannt essen kannst, es reduziert das Chaos nach dem Essen auch enorm!

Tischlein deck dich

Alles fängt damit an, dass man den Tisch richtig deckt, also für jeden ein Messer und eine Gabel, (es sei denn es gibt Suppe) eine Serviette und ein Glas. Das Messer liegt auf der Serviette rechts von der Gabel.Oder das Messer liegt rechts vom Teller und die Gabel links. Egal wie viel Besteck für das Essen gebraucht wird, das, was zuerst gebraucht wird, liegt immer ganz außen. Sollte es also Suppe als Vorspeise geben, liegt der Löffel ganz außen. Das gilt auch, wenn Du irgendwo schick essen gehst. Keine Panik vor zu viel Besteck, esse Dich einfach von außen nach innen durch. Das Dessertbesteck liegt über dem Teller. Bei den Gläsern gilt das Gleiche. Ganz rechts steht das Wasserglas, links ein Glas für den Wein. Solltest Du in einem schicken Restaurant sein, kann es sein, dass neben dem Wasserglas ein Weißweinglas steht, gefolgt von einem Glas für Rotwein und gegebenenfalls ein Glas für das Dessert. Keine Panik. Auch hier gilt, von außen, nach innen.Einfach oder? Denk daran, umso ordentlicher Du isst, umso ordentlicher werden auch Deine Kinder essen. Ach ja … die Serviette gehört auf den Schoss. Klingt altmodisch? Gerade bei Kleinkindern ist diese Regel Gold wert. Vor allem, wenn sie wie meine sich strikt weigern einen Latz zu tragen. So wird zumindest die Hose gerettet. Die Serviette ist unter keinen Umständen ein Taschentuch! Auch kein Brillenputztuch! Sie dient ausschließlich dazu, sich den Mund sauber zu tupfen. Nach dem Essen legt man sie locker zusammen und legt sie mit der (wenn sie eine hat) sauberen Seite nach oben, links neben den Teller. Ja, das gilt auch für Papierservietten.

Man sollte keine Essensgeräusche von sich geben.

Gar keine. Weder schmatzen, noch rülpsen, noch laut mit dem Besteck klappern. Probiert ein Spiel aus. Wer es schafft, am leisesten zu essen und am wenigsten Geräusche mit seinem Besteck zu machen, darf am Sonntag den Nachtisch aussuchen.

Aufessen muss man nicht, probieren sollte man aber alles.

Entscheide Du, was es zu essen gibt, aber lass Dein Kind entscheiden, was es davon essen möchte. Gibt es zum Beispiel Salat, Kartoffelbrei und Hühnchen kann Dein Kind alles Essen oder nur Salat oder nur Kartoffelbrei usw. Wenn Du erst einmal damit anfängst, Deinem Kind etwas extra zuzubereiten, dann musst Du das am Ende immer machen und Dein Kind probiert nichts Neues aus, was schade wäre. (Es sei denn Dein Kind hat eine Allergie oder Ähnliches, aber in diesem Fall solltest Du das sowieso nicht zubereiten)

Das Wichtigste ist, dass die Eltern das Vorbild sind. Es ist wichtig, dass Du Manieren vorlebst! Benimm Dich so, wie Du es Dir von Deinem Kind wünschst.Es wird so viel einfacher für Dein Kind im erwachsenen Leben, wenn es die guten Manieren von Anfang an beigebracht bekommt. Es ist wie zweisprachig aufwachsen. Du kannst am Ende einfach zwei Sprachen, ohne irgendetwas dafür zu tun. Keine Vokabeln lernen bei den Sprachen, keine unangenehme Situation bei den Manieren.

Auch wenn Du schon all diese Punkte kanntest, hoffe ich, Dir ein paar neue Argumente geliefert zu haben, damit Du ein paar „warum“ mehr beantworten kannst! Teile den Artikel und vielleicht schaffen wir zusammen, dass Manieren wieder in Mode kommen. Keine Strenge, nur Höflichkeit und Respekt für unsere Familie, Freunde und Mitmenschen …

Noch ein paar liebevolle Tipps …

• Das Essen schneidet man nur bei Kindern in kleine Stücke. Bei Dir gilt, ein Stück schneiden, essen, ein neues Stückchen schneiden.

• Ein Weinglas hat ein Stiel, damit Du es daran anfasst.

• Brot wird nicht mit Besteck gegessen, sondern mit der Hand in mundgerechte Stücke gebrochen. Auch hier gilt wieder, nicht auf Vorrat, sondern immer einzeln.

• Eine fast immer zutreffende Faustregel besagt, dass Speisen immer von links serviert werden, Getränke immer von rechts.

• Auf den Tisch gehören keine persönlichen Utensilien wie Brille, Handy, Schlüssel usw. Wenn Du in einem Restaurant bist, verstaue alle Deine Gegenstände in Deiner Handtasche, oder in Deiner Jackentasche.

• Salat darf nicht geschnitten, sondern nur mit der Gabel gegessen werden. Na gut, ein Stück Brot, darf man zur Hilfe nehmen.

• Rede nicht zu laut und lasse auch andere zu Wort kommen.

• Schneide keine Streitthemen beim Essen an.

Published by

Lilli

Ich koche immer zu viel, kann ja sein, dass plötzlich noch 20 Gäste vorbeikommen. Ich rede viel zu schnell, (liegt am griechischen Temperament) und liebe es, Partys zu schmeißen. That's all. Ach so, Gilmore Girls addict, Coffe Lover und Bücherwurm. Und natürlich MAMA! Gebürtige Berlinerin, wohne aber in Griechenland. Das war's jetzt aber wirklich.

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